​Einvernehmliche/streitige Scheidung

Nach der Trennung sollte versucht werden eine Einigung über folgende Trennungs- und Scheidungsfolgen zu erzielen:

  • Wo sollen die Kinder ihren Lebensmittelpunkt haben? Wird die elterliche Sorge weiter gemeinsam ausgeübt? Wie wird der Umgangskontakt geregelt?
  • Soll ein Ehegatte in der Ehewohnung wohnen bleiben? Bei einer gemeinsamen Immobilie wird geklärt, ob diese verkauft werden muss oder ein Ehegatte diese übernehmen kann und welcher Ausgleichsbetrag dem Anderen zukommen muss.
  • Der Unterhalt für die Kinder ist zu berechnen und festzulegen.
  • Soweit ein Ehegatte nicht genug eigenes Einkommen erzielt, ist über den Trennungsunterhalt und einen nachehelichen Ehegattenunterhalt zu verhandeln. Die Höhe des Unterhaltes und ggf. eine Befristung der Dauer der Zahlungsverpflichtung sind für beide Eheleute sehr wichtige Themen. Dem berufstätigen Unterhaltsverpflichteten muss mindestens der Selbstbehalt verbleiben von 950 € gegenüber Kindern und 1.050 € gegenüber dem Ehegatten (gilt ab 1.1.2011).
  • Die Eheleute sollten sich über die Verteilung des Hausrates einigen. Gesetzlich vorgesehen ist, dass jeder den in die Ehe eingebrachten Hausrat behält und der in der Ehe angeschaffte Hausrat hälftig geteilt wird.
  • Gemeinsames Vermögen ist ggf. aufzuteilen. Für jeden Ehegatten wird eine Vermögensbilanz erstellt und errechnet, ob sein Vermögen zum Ende der Ehezeit höher ist als sein Anfangsvermögen bei der Heirat und somit ein Zugewinn auszugleichen ist. Vorab sind Schenkungen und Erbschaften abzuziehen. Darlehen, Vermögenszuwendungen oder Zuwendungen von Schwiegereltern sind ggf. zu berücksichtigen und evtl. zu erstatten.
  • Mit der Scheidung wird der Versorgungsausgleich durchgeführt. Nach neuem Recht wird jede Rentenanwartschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung, Pensionen, Betriebsrenten, VBL-Renten oder Renten aus privaten Rentenverträgen ermittelt und hälftig geteilt. Bei kurzen Ehen unter 3 Jahren wird ein Versorgungsausgleich nur auf Antrag durchgeführt.  
Viele Scheidungsfolgen können schon vorab durch einen notariellen Vertrag geregelt werden. Gerade bei einer Verteilung von Immobilien, die der notariellen Form bedarf, wird es oft sinnvoll sein, weitere Scheidungsfolgen gleich mit zu regeln.

Sind sich die Eheleute über die Scheidungsfolgen einig, benötigt nur ein Ehegatte einen Anwalt, um den einvernehmlichen Scheidungsantrag zustellen. Können sich die Eheleute über die Scheidungsfolgen nicht einigen, erfolgt mittels getrennter Anwälte eine streitige Scheidung.

In diesem „großen Scheidungsverbundverfahren“ stellen die Eheleute über ihre Anwälte streitige Anträge an das Gericht und derFamilienrichter entscheidet nach mündlicher Verhandlung durch gerichtlichen Beschluss.

© Rechtsanwalt Raymond Konopacki, Hildesheim